Portrait Elisabeth Käsemann


An der juristischen Aufarbeitung der Diktaturen in Lateinamerika beteiligen sich seit Ende der 1990er Jahre auch ausländische Staaten, denn viele Opfer besaßen die doppelte Staatsangehörigkeit. Zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, Italien, Frankreich, Schweden und Spanien stellten internationale Haftbefehle aus und beantragten die Auslieferung derer, die für die Ermordung ihrer Staatsangehörigen verantwortlich waren. Argentinien entschied sich als erster lateinamerikanischer Staat für die umfassende juristische Aufarbeitung seiner Vergangenheit im eigenen Land. Argentinische Opferverbände, Menschenrechtsinitiativen und die Justiz würdigen jedoch auch die rechtliche Unterstützung aus dem Ausland und empfinden Solidarität mit den ausländischen Opfern.

 

Die Verletzung von Menschenrechten ist keine nationale Angelegenheit. Seit Ende der 1990er Jahre ist dies auch mit der Schaffung eines Internationalen Strafgerichtshofes, der heute seinen Sitz in Den Haag hat, eine juristische Tatsache. Eine grenzüberschreitende Justiz ist nur der erste Schritt der weltweiten Ahndung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der zweite ist, in transnationalem Austausch an Mord und Folter zu erinnern, um darüber demokratisches Bewusstsein zu fördern und die Menschenrechte in Gegenwart und Zukunft zu schützen.